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Atomvollkosten - Was der Atomstrom wirklich kostet

13. 03. 2014

Im November 2013 hat die Schweizerische Energie-Stiftung SES tl_files/layout/img/external_link.png ihre Studie zu den Atomvollkosten veröffentlicht und sieht ihre darin gestellte Arbeitshypothese mehr als bestätigt: Die Kosten für Atomenergie werden viel zu tief veranschlagt. In ihrem Fazit zur Studie hält die SES folgendes fest:
Knüpfen wir an die in der Einführung erwähnte Aussage an, erneuerbare Energien seien zu teuer, und nur der Atomstrom könne billige Energie liefern, müssen wir festhalten, dass sich die Kosten der beiden Technologien gegenläufig entwickeln: Erneuerbare Energien werden immer kostengünstiger, während sich Atomenergie kaum mehr preiswert betreiben lässt. Gebremst wird diese Entwicklung nur, weil die wahren Kosten des Atomstroms nicht komplett im Endpreis für Elektrizität enthalten sind. Das nukleare Risiko sollte gemäss dem Zürcher Ökonomieprofessor Peter Zweifel internalisiert werden, ansonsten komme es zu einer Marktverzerrung, da grundsätzlich sich günstigere alternative Technologien der Stromproduktion am Markt nicht durchsetzen könnten.
Fazit ist, die heutigen AKW in der Schweiz decken ihre Kosten nicht, da sie klein gerechnet werden. Atomstrom ist heute bereits teurer als Wind- und Solarstrom und kann nur mit staatlicher Unter-stützung rentabel sein. Das zeigt schon das Beispiel von England: Der Neubau und der Betrieb des geplanten AKW in Hinkley Point müssen massiv subventioniert werden.

Weitere Begünstigungen und Sonderregelungen verfälschen den Preis:

  • Die Kosten für Stilllegung und Entsorgung werden schöngerechnet, es fehlen vor allem Erfahrungswerte und Reserven
  • Wird für die Zielsumme in den Fonds von einer risikoärmeren Anlagerendite und einer spezifischen Teuerungsrate ausgegangen, verändert sich der Beitrag der AKW-Betreiber an die Fonds in einer Bandbreite von 0.5 auf über 6 bis 12.5 Rp./kWh
  • Würden die AKW eine Haftpflichtversicherungsprämie zahlen, welche die Schäden eines nuklearen Unfalls in der Grössenordnung von Tschernobyl oder Fukushima decken könnten, lägen die Kosten dafür in einem Spektrum von 4, 17 und 31 Rp./kWh
  • Rechnet man alle weiteren Subventionen mit ein, welche nicht im Atomstrompreis abgebildet werden, kommt nochmals eine Bandbreite von 3, 3.7 und 5.6 Rp./kWh dazu
  • Würden die AKW ihre Bilanzen nicht verfälschen und die Aktiven richtig beziffern, würde sich der Atomstrompreis je nach Verzinsung um 3.8, 4.5 oder 5.2 Rp./kWh verändern

Die „wahren“ Atomstromkosten liegen inkl. der heute ausgewiesenen Gestehungskosten je nach Szenario bei 16, 36 oder 59 Rappen pro Kilowattstunde. Die SES plädiert für den gesunden Mittelweg: Die „wahren“ Atomstromkosten liegen bei 36 Rappen pro Kilowattstunde.

Quelle: Atomvollkosten - Was der Atomstrom wirklich kostet, November 2013, Schweizerische Energie-Stiftung SES

tl_files/layout/img/document_download.png Atomvollkosten - Was der Atomstrom wirklich kostet (PDF, 654 KB)